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Bolsonaro lobt Fleischkonsum der Deutschen

Ralf Herter - neu
Veröffentlicht von Ralf Herter in Satire · 30 Juli 2021
Tags: regenwaldfleischkonsum
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro zeigt sich erfreut über den hohen Fleischkonsum der Deutschen, sieht aber noch Steigerungspotenzial

„Wir lieben die Deutschen,” frohlockt Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. „Sie können so viel Fleisch essen!” Damit hat er recht. Der Deutsche isst fast doppelt so viel Fleisch wie der durchschnittliche Weltbürger.1

Auslöser von Bolsonaros Sympathiebekundungen gegenüber den Deutschen ist ein Bericht des WWF aus dem Frühjahr (der Präsident reagiert immer mit etwas Verzögerung). Demzufolge wird der Regenwald alle drei Monate um eine Fläche so groß wie der Bodensee erleichtert.

Die Industrie vor Ort hat erkannt, dass es durchaus lukrativer ist, Soja, Palm als den Platz mit Tropenwäldern zu verschwenden. Auf der gerodeten Fläche werden Produkte angebaut, die in die EU exportiert werden – an erster Stelle nach Deutschland.

Für einen Großteil der Abholzungen zeichnet der Anbau von Soja verantwortlich, das vor allem als Nutztierfutter für die Aufzucht von Schweinen in der Massentierhaltung eingesetzt wird.

Die brasilianische Forst- und Rodungsindustrie profitiert daher besonders von der Fleischeslust der Deutschen. Das freut El Presidente.



Noch mehr Good News
Damit nicht genug, übertrifft der deutsche „Meater” (Meat Eater – Fleischessser) dank seines Konsums tierischer Produkte die CO2-Bilanz eines vergleichbaren Veganers um 2 Tonnen jährlich – und leistet auf diese Weise seinen Beitrag, dass auch im Winter ein noch behagliches Klima in Deutschland herrscht. Das ist noch besser als . Ideal ist eine Kombination aus allem. Denn:

Je mehr CO2, desto besser
„Pflanzen brauchen CO2 zum Wachsen,” weiß Bolsonaro, der in seiner Schulzeit mehrfach am Biologieunterricht teilgenommen und seine wissenschaftliche Expertise bereits in der Corona-Pandemie unter Beweis gestellt hat. „Das heißt, je mehr CO2 in der Atmosphäre ist, desto besser für uns alle!”

Da geht noch was
Bolsonaro empfiehlt daher den Verzehr von drei Portionen Fleisch am Tag, siebenmal die Woche, sonntags gerne auch die doppelte Portion – also in etwa das, was der Deutsche eh schon macht. Aber auch in jeden Salat lasse sich etwas Hack untermischen, erklärt der Presidente. Und warum nicht den Obsalat mit ein wenig Geschnetzeltem angereichern?

Positivier Nebeneffekt: Auf diese Weise lässt sich der Durchschnittspreis der gesamten Mahlzeit drücken. Dank der Kostenoptimierungsmaßnahmen, die bei der Zucht und Haltung der verwursteten Lebewesen in aller Konsequenz umgesetzt werden,


Gewohnheiten kultivieren nicht reflektieren
Eingefleischten Fleischessern rät Bolsonaro „on track” zu bleiben: „Stellen Sie Ihre Gewohnheiten nicht in Frage – rechtfertigen Sie sie! Am besten vor sich selbst.”

Gründe für die Befriedigung eigener Interessen zu finden, habe auch ihm in seiner Amtszeit immer wieder geholfen, (selbst)kritischen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen.

Und bei aller Liebe, irgendwo müsse ja auch mal Schluss sein mit der ganzen Empathie mit anderen Lebewesen, bei der im schlimmsten Fall gar der eigene Egoismus zu kurz komme.

Die Floskel „Ich würde ja gern … wenn / aber …” habe sich besonders bewährt, wenn es um die Nichtumsetzung von Alibi-Vorsätzen gehe, meint Bolsonaro. (Übrigens ein Trick, den auch Raucher gern anwenden.)

Weiter so!
„Augen zu und durch!” empfiehlt daher der Presidente den Meatern im Falle ethischer Bedenken angesichts der für schlichte Gemüter nur schwer erträglichen Bilder aus den Massentierhaltungsbetrieben, aus denen 98% der deutschen „Fleischware” stammen. „Ich bin zuversichtlich, dass den Konsumenten das gelingt. Die meisten haben das Konzept der Verdrängung perfekt verinnerlicht.”

Der Verpackung im Supermarkt oder dem Schnitzel auf dem Teller sehe man das Elend dahinter ja zum Glück nicht mehr an. Und der Mensch habe die für (fast) alle Beteiligten praktische Gabe, schnell zu vergessen, wenn die Fleicheslust ihn überkommt.

Fleischindustrie voll des Lobes
Die deutsche Fleischindustrie indes lobt das Mindset des brasilianischen Präsidenten. Zeigt gleichzeitig aber auch Verantwortungsbewusstsein. Immerhin stellt

„Auch wir nehmen die Debatte um das Tierwohl sehr ernst,” sagt Bundestags-Lobbyist Werner Metzger, der dafür sorgt, dass das schweinische System den gesetzlichen Anforderungen entspricht (oder vielmehr umgekehrt, schließlich besteht der Agrarausschuss des Bundestages ).

„Wir sind uns unserer ethischen und ökologischen Verantwortung durchaus bewusst und legen deshalb großen Wert auf die Einhaltung strenger ethischer Richtlinien, indem wir uns unserer ethischen Verantwortung durchaus bewusst sind und daher großen Wert legen auf … – oh, schauen Sie mal, da oben ein Ballon ... Möchte jemand  Gratis-Würstchen?”

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